Archivbericht 48 Stunden Neukölln 2015

48 Stunden Neukölln -  in Zahlen

  • 26. bis 28. Juni 2015 Festival „S.O.S. – Kunst rettet Welt
  • über 1.200 Teilnehmer aus Neukölln, Berlin und der Welt
  • 400 Veranstaltungen in den Kategorien Kunst & Ausstellung, Film, Tanz & Performance, Musik, Theater, Lesung & Diskussion, Interdisziplinäre Projekte, Interventionen & Aktionen
  • 80 Ateliers und Galerien
  • 20 Führungen – durch Neukölln und durch die Kunstorte
  • 80.000 Besucher*innen
  • 1.700 der Plätze auf dem Musikschiff waren besetzt (das waren fast alle)

Jahresthema: S.O.S. – Kunst rettet Welt

Unser Jahresthema 2015 wurde nach einem an die Künstlerschaft gerichteten Aufruf ausgewählt. Die eingereichten Themenvorschläge wurden in einem Gremium aus Festivalteam und Kunstfilialen eingehend diskutiert. Kriterien einer Beurteilung waren die Relevanz für den Standort Neukölln, die zu erwartende Inspirationskraft für künstlerische Produktionen sowie eine möglichst große Bandbreite von Interpretationsmöglichkeiten, die es plausibel erscheinen ließen, dass eine anregende Vielfalt von Positionen und Fragestellungen in den Festivalbeiträgen zur Anwendung können würden. Das schließlich ausgewählte Thema „S.O.S. – Kunst rettet Welt“ wurde durch die Einsendung der Neuköllner Künstlerin Janine Hönig angeregt.

Das den Teilnehmer*innen gestellte Jahresthema hat im Vorfeld und innerhalb des Festivals zu intensiven Diskussionen über die potenziellen Aufgaben von Kunst in einer als komplex und als gefährdet wahrgenommenen Welt geführt. Diese starke inhaltliche Auseinandersetzung von Kurator*innen und Künstler*innen ist dem Profil des Festivals sehr zugute gekommen.

S.O.S. – Kunst rettet Welt – die Umsetzung

Im Zusammenspiel der kreativen Ideen wurde das Jahresmotto häufig im Zusammenhang mit dem Thema „Flucht“ gesehen. Unter dem Eindruck der dramatischen Umstände, unter denen Menschen aus den Krisengebieten südlich und östlich des Mittelmeers eine Flucht über das Mittelmeer gelingt (oder auch misslingt), lag eine Fokussierung auf dieses Thema nahe.

Gleich zwei großangelegte Projekte beschäftigten sich denn auch mit dem Thema Rettungsboot. Die Künstlergruppe Plastique Fantastique errichtete mit Lifeboat Chapter 5 eine temporäre Installation auf dem Tempelhofer Feld. Die aufblasbare, begehbare Skulptur stellte ein überdimensioniertes Schlauchboot dar, wie es häufig von Menschen genutzt wird, die sich dem Meer anvertrauen um aus ihrer Heimat nach Europa zu fliehen. Im Inneren war eine Soundinstallation von Marco Buarotti  zu hören, die auf Grundlage von Texten entstand, die Hadmut Bittiger im Gespräch mit geflüchteten Menschen insbesondere auch in Neukölln gesammelt hatte. In Kombination mit in verschiedenen Sprachen eingelesenen Texten aus Homers Odyssee entstand ein eindrucksvoller Raum, der in emotionaler Dichte das Trauma von Flucht und Gefährdung vor Augen führte. Das Projekt wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Aktionsfonds / Quartiersmanagement Schillerpromenade, des Fachbereichs Kultur des Bezirksamts Neukölln, der Stiftung Umverteilen!, dem Centermanagement der Neukölln Arcaden sowie der Grün Berlin GmbH.

Die Rettungs/Flucht/Aktion 015 von Frank Bölters und dem Theater der Migranten (Leitung Olek Witt) begann als Happening auf dem Alfred-Scholz-Platz, bei dem von geflüchteten Menschen und Passant*innen aus einem 10 x 20 Meter großen Papier ein über 8 Meter langes Boot gefaltet wurde. Nach einem gemeinsamen Transport des fertigen Faltbootes über die Karl-Marx-Straße bis hin zum Anleger des Neuköllner Schifffahrtskanals am Wildenbruchplatz wurde das Papierboot theatralisch zu Wasser gelassen und bespielt.
Barbara Caveng war mit ihrem Projekt KUNSTASYL zu Gast im Festival. In der zentralen Ausstellung „Signale“ wurde das Zimmer 102 des Wohnheims Staakener Straße in Berlin-Spandau nachgebaut. Neben dem Mobiliar waren alle persönlichen Besitztümer der Bewohner Dachil und Mawlud mitsamt den im Zimmer verwahrten Lebensmitteln zur Ausstellungsinstallation mutiert. In diesem Raum im Raum war zudem das Buchungsbüro der „Fernreisen Neukölln“ lokalisiert. Hier konnten die Tickets zur Teilnahme einer Busreise durch Neukölln reserviert werden. Bewohner*innen des Wohnheims stellten sich dabei im Bus jeweils einem Reisenden als Gesprächspartner*in zur Verfügung und begleiteten diesen durch Neukölln. Zudem wurden verschiedene Haltestellen eingerichtet, die nach den Herkunftsstädten einiger geflüchteter Menschen benannt waren. Dort wurde dann von Menschen über die Bedingungen ihres damaligen und derzeitigen Lebens berichtet. Das Projekt Kunstasyl hat es geschafft, Menschen untereinander in Beziehung zu bringen. Durch das unmittelbare Kennenlernen eines „Flüchtlings“ und die ungezwungene Gesprächssituation in einem Verkehrsmittel kam es zu einem persönlich Austausch, der in einigen Fällen sogar zu noch andauernden Patenschaften zwischen Geflüchteten und Einheimischen führte.

Amnesty International war bereits in Vorjahren im Festival aktiv. In diesem Jahr wurde aus dem Buch "Dorthin kann ich nicht zurück. Flüchtlinge erzählen" von Renate Sova gelesen und anschließend diskutiert. In der Ausstellung „Postsovjet Kassandras“ in der Galerie im Körnerpark nahm die Künstlerin und Aktivistin Marina Naprushkina unter dem Titel „Neue Heimat?“ eine Bestandsaufnahme des Berliner Flüchtlingsalltag vor, den sie aus eigener, engagierter Arbeit heraus kennt, und stellte sich der Diskussion.

Unter der Leitung von France Elena Damian fand mit „Kunst! Rettet! Ehe!“ eine performative Aktion statt, in der die Mechanismen politischer Ehen vorgeführt und in Frage gestellt wurden. Zwei sich fremde Menschen wurden aufgefordert, innerhalb der Spielsituation zu heiraten und sich den daraus resultierenden (realen) Fragen der Behörden zu stellen. In diesem Setting wurde nicht nur informiert, sondern emotional geschildert, welchem Druck Menschen ausgesetzt sind, wenn sie geliebte (oder fremde) Menschen durch eine Heirat im Land halten wollen.

Kathrin Ollroge schickte mit „Raum für Gedanken“ eine interaktive Kunstinstallation durch Brandenburg. Ein mobiles Wohnzimmer reiste durch den öffentlichen Raum, um Gedanken über Flüchtlinge und Nachbarschaft aufzuspüren und einzusammeln. Auch in Neukölln wurden nun Besucher*innen aufgefordert, auf einer alten Schreibmaschine Meinungen und Gedanken zum Thema Flucht, Asyl und Nachbarschaft zu formulieren.

Einige Veranstalter*innen setzten das Jahresthema um, indem sie in ihren Projekten das Thema „gesellschaftliche/ökonomische Ungerechtigkeit“ ansprachen. In manchen Ländern werden Minderheiten ökonomisch und rechtlich benachteiligt und/oder von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt, in anderen stehen Korruption und Bevölkerungsarmut im Wechselverhältnis, während in anderen die Verarmung von Senior*innen und die prekäre Lebenssituation von Künstler*innen zum Alltag gehört. Das ethische Bewusstsein im Umgang miteinander und mit den verfügbaren Ressourcen geht dabei oft verloren.

In der Kategorie Interdisziplinäre Projekte veranstalteten der Künstler Vince van Geffen und Marion Caris, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und von concerned Australians (ein Verein, der sich für die Rechte von Aborigines einsetzt), die Kunstinstallation „S.O.S Australia: restoring dignity“. In dieser setzten sich Festivalbesucher*innen mit der gesellschaftspolitischen Situation der Yolŋu von Arnhem Land, einem Aborigines-Stamm im Norden Australiens, auseinander. Dadurch wurde auf Diskriminierung, Landraub, Kindesentzug sowie die Zerstörung von Kultur und Natur durch Bergbau-Pacht und Minen und auf den Kampf der indigenen Völker Australiens um ihre Landrechte und Selbstbestimmung aufmerksam gemacht. Die Installation war mit der Treaty-Petition der GfbV verbunden: Wenn Besucher*innen die Rechte der Aborigines anerkannten, konnten sie darauf dafür unterschreiben. Da die Musikkultur in Arnhem Land stark vom Digeridoo geprägt wird, gab es ein begleitendes, kostenloses Digeridoo-Konzert mit dem Digeridoo-Spezialisten Marc Miethe.

„Picturing me“ hieß eine Ausstellung, die der Fachbereich Kultur in der Galerie im Saalbau veranstaltete. Unter Anleitung der Fotografin und Filmerin Sarah Sandring hatten Kinder des indischen Dorfes Chotian ihre Lebenswelt fotografisch dokumentiert. In gefilmten Interviews, die während der Ausstellung abgespielt wurden, gaben die Kinder über ihre Motivation Auskunft. Einige Alltagsaspekte wurden in der Ausstellung sinnlich erfahrbar gemacht wie z. B. durch ein Bett und ein kunstvoll zu einem Kegel aufgetürmter, getrockneter Dunghaufen, die mitten im Raum platziert wurden. Dass viele der kindlichen Fotograf*innen Waisen von Bauern waren, die den politisch und ökonomisch verursachten Massensuiziden der indischen Landbevölkerung zum Opfer gefallen waren, wurde durch das Fehlen von Familienmitgliedern angedeutet und stand dadurch auch unausgesprochen im Raum.

Zivilen Ungehorsam als Form demokratischen Protests machte Peter Barroso Boos zum Thema seiner Verstaltung „Brazil Exposed“. Zwei entsprechende Kunstperformances in Rio de Janeiro, „Catracacatraca“ (von Fernanda Vizeu and Peter Boos) in einem Bus und „Untitled or And the people in the dining room“ (von Fernanda Vizeu and Ariane Hime) auf dem Platz Cinelândia während einer Demonstration am 15.10.2013, wurden filmisch und fotografisch dokumentiert und den Festivalbesucher*innen zur Diskussion gestellt.

Katja Zeidler von Dreitausend e.V. veranstaltete die performative Kunstaktion „Yes, I do – Art for a promise“: Sechs Künstler*innen des Kollektivs club mantell forderten Festivalbesucher*innen dazu auf, ihre Rolle als Konsument*innen abzulegen und sich handelnd zu engagieren. In einer Tauschaktion boten diese den Künstler*innen Handlungen an, welche ihrer Meinung nach die Welt besser machen und die sie in Neukölln oder anderswo zu verwirklichen beabsichtigten. Diese wurden als schriftliche und bildliche Dokumentation an die Künstler*innen übergeben. Als Gegenleistung erhielten sie die Besucher*innen Kunstwerke ihrer Tauschpartner.

Eine weitere interaktive Aktion veranstalteten Monika Meta Schmid und fünf weitere Künstler*innen im Senior*innenalter mit ihrem Projekt „Rent A Rentna“.  Einige Rentnerinnen boten wie Prostituierte in einem Schaufenster ihre Dienste an. Eine Jobvermittlerin stellte den Kontakt zwischen den Festivalbesucher*innen/Kund*innen und der Dienstleisterin her. Außer Sex war alles möglich, was die einzelne Rentnerin in ihrem Dienstleistungsprofil anbot – eine breite Palette aus beruflich erworbenen Fähigkeiten, traditionell weiblichen Tätigkeiten und überraschenden Angeboten. Damit machten die Mitglieder des RAR-Kollektivs Berlin auf die prekäre Lebenssituation von Rentner*innen aufmerksam.

Armin Langer und die Saalam Schalom Initiative sammelten für ihr Projekt „Willkommen in unserem Zuhause!“ Kunstwerke und stellten sie in Privatwohnungen jüdischer und muslimischer Neuköllner*innen aus. Diese künstlerischen Arbeiten tragen zur Verständigung zwischen Menschen, die sich durch ihren Sozialstatus, ihre Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung und ihr Geschlecht unterscheiden, bei. Durch die Ausstellung und die mehrfach wiederholte Führung während des Festivals schärften sie das Bewusstsein für die verschiedenen gesellschaftlichen Stellungen und ihre Bedeutung für den Zugang zur Meinungs- und Ausdrucksfreiheit in privaten und öffentlichen Räumen.

Einige Künstler*innen verarbeiteten das Festivalthema, indem sie ihre Projekte dem Thema „Umweltrettung“ widmeten. Aufgrund von Gewinnstreben, Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit wird die Natur der Erde und somit die erste Grundlage menschlichen Lebens geschädigt. Es galt daher, Festivalbesucher*innen darauf aufmerksam zu machen sowie Formen einer natürlichen Weltrettung in Form von künstlerischem Recycling zu erproben.

So setzten sich die drei Künstler*innen des in Berlin ansässigen Curiosity collective aus Kolumbien, Julian Santana, Daniel Poveda und Katherine León, in ihrem Projekt „Wir machen das nur gegen Kohle“ kritisch mit den Folgen globaler Wirtschaft, der Umweltzerstörung in ihrem Heimatland durch den Kohleabbau und die Kohleexporte, besonders nach Deutschland, auseinander. Mit einer  Performance, Videokunst, Zeichnungen und Fotos vom Kohleabbau, tiefen Landschaftskratern und kohlengeschwärzter Politikerporträts regten sie die Besucher*innen zum Nachdenken darüber an.

Mit ihrem Inklusionsprojekt „einsam-gemeinsam“ wollten Kerstin Braun und andere Mitglieder von schwarzekatzeweisserkater e.V. in Kooperation mit Aktion Mensch und der Lebenshilfe gGmbH das Bewusstsein für natürliche und dadurch nachhaltigere Ressourcen und Lebensweisen fördern. Deshalb zeigte die Fotoausstellung während des Festivals eine Skulptur, die auf der Basis von individuell bearbeiteten Blöcken aus dem natürlichen Material Holz und eigenen analogen Fotografien gemeinsam von behinderten und nichtbehinderten Menschen zuvor in zehn Workshops unter Anleitung verschiedener Künstler*innen angefertigt worden war.

Im Rahmen der Veranstaltung „Dienstleistungszentrum Kunst“ von Eva Am Winnersbach boten Cornelia Buchheim und Rabea Dransfeld in ihrem Einzelprojekt „Konserven der gefährlichen Wirklichkeit“ den Besucher*innen Hilfe dazu an, alte, unbenutzte Dinge durch „künstlerisches Recycling“ vor dem Wegwerfen zu retten. In Absprache dokumentiert, archiviert und bearbeitet, wurden diese Bestandteile einer sich stets wandelnden Installation.

In einzelnen Veranstaltungen widmeten sich Künstler*innen dem Festivalthema, indem sie darin die „persönliche Weltrettung“, die „Rettung vergehender Welten“ die „Neuschöpfung der Welt“ oder den „Wahrheitsgehalt des Festivalthemas“ thematisierten.   

So hatte Alexine Chanel beobachtet, „dass vielen Straßengängern das Lächeln vergangen ist“. Davon ausgehend, dass ein einziges Lächeln sowohl Spender*Innen als auch Empfänger*innen eine gesunde Portion Energie verschaffen und den Tag retten kann, veranstaltete die Künstlerin ihr Straßenprojekt „Lächelverteilung für Bedürftige“. Am ersten Festivaltag wurde das „gespendete“ Lächeln verschiedener Neuköllner Straßenpassant*innen fotografiert, während lächelbedürftige Neuköllner*innen sich am dritten Festivaltag eines dieser fotografierten Lächeln schenken lassen konnten.

Elena Amibili stellte ihr im Herbst 2014 begonnenes Fotoprojekt „Soviet Innerness“ vor. Interieurs verwahrloster Gebäude in den postsowjetischen Staaten sowie anderen osteuropäischen Ländern, deren Wände oft als Beispiele ungewollter Kunst erscheinen, wurden abgelichtet, um den Zerfall des ehemaligen Ostblocks zu dokumentieren. Die Abbildungen wurden gesammelt, archiviert und während des Festivals ausgestellt.  

BEUYS!3000 lautete das Projekt des Künstlerkollektivs Ida Nowhere, das dem kreativen und prekären Künstler*innentum und der Schaffung einer neuen Welt durch Künstler*innen gewidmet war. Die Veranstalter*innen boten Besucher*innen ein „Studium“ an der „Freien Irrationalen Universität“ bei verschiedenen Künstler*innen in mehreren „Kunstklassen“ mit einem Diplom als Abschluss sowie die Schöpfung einer gemeinsamen „Sozialen Plastik“, als Symbol für die Erschaffung einer neuen Welt, an.

Der bayerische Künstler Maximilian Meier hatte sich nach seiner Teilnahme an unserer Mail Art-Ausstellung zu 48 Stunden Neukölln 2014 während des diesjährigen Festivals mit einer eigenen Ausstellung „Max rettet die Welt - vielleicht“ beteiligt. Mit seinen politisch-satirischen Cartoons stellte er in Frage, dass die Welt zu retten sei.  

Ateliers, Galerien und Projekträume

Neukölln ist traditionell ein wichtiger Produktionsstandort der Berliner Künste. Ateliers, Galerien und Projekträume prägen das Erscheinungsbild Neuköllns als vitalen Kunststandort seit Jahren wesentlich mit. Doch ist der Besuch von Ateliers unter normalen Umständen für viele Menschen nicht einfach möglich. Und auch für die Künstler*innen ist eine Präsentation im Atelier ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Ein wesentlich pragmatischeres und niederschwelliges Angebot für beide Seiten ist dagegen das Verfahren, an einem gemeinsamen Termin Ateliers zu öffnen. Dieses beliebte Format ermöglicht es Künstler*innen und Besucher*innen, sich auf Augenhöhe zu begegnen und die Neugierde eines breiteren Publikums in Bezug auf künstlerische Arbeitsstätten und Arbeitsweisen zu befriedigen.

Über 60 Künstler*innen öffneten im Rahmen der 48 Stunden Neukölln ihrer Arbeitsräume. Weitere Ateliers und Projekträume waren als Festivalorte beteiligt.

Nicht nur bildende Künstler*innen sondern auch Designer*innen und Modeschöpfer*innen luden zur Besichtigung ihrer Werkstätten ein. Die großen Atelierhäuser waren ebenso beteiligt wie Arbeitsräume in Privatwohnungen, Fabriketagen oder Ladenlokalen.

Medienpartner und Medienecho

Die Online-Agentur Hi-Res! entwickelte 2015 eine Unterstützungsaktion für die 48 Stunden Neukölln, die sich am „S.O.S.“ des Jahresthemas orientierte. Eine neuprogrammierte App sorgte nicht nur dafür, dass Smartphones jeden Tag vor dem Festival um 22:22 Uhr mit dem Flashlight S.O.S. morsten, auch konnten Nutzer der App ein Solidaritätslicht auf einem virtuellen Stadtplan setzen. Auch warb die App für Spenden über die Betterplace-Plattform der Festivalwebsite.

Unter der Regie von High-Res! entstand ein Marketingfilm, in dem sowohl auf das Festival als auch auf die App Thema waren. Dieser Werbespot lief in den Neuköllner Kinos der York-Gruppe und den Cineplex-Kinos (Neukölln Arcaden), außerdem im U-Bahn-Fernsehen „Berliner Fenster“ und wurde auch Online präsentiert.

Neben Ankündigungen und Berichten in regionalen und bundesweit erscheinenden Zeitungen, Zeitschriften und Stadtmagazinen sowie in Blogs war in diesem Jahr die Zahl von Radioberichten, -features und -interviews besonders groß. Bundesweiten erfolgte die Wahrnehmung des Festivals in einem Feuilleton-Artikel der „Welt“ bzw. im Online-Programm von „Art“. Online waren Beiträge in verschiedensten Sprachen über die Neuköllner Kunstszene und unsere Veranstaltung abrufbar.

Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Projekte „Liveboat – Chapter 5“ von Plastique Fantastique, „KUNSTASYLtours“ von Barbara Caveng und das Konzert von Les Femmes Savantes im Rahmen der „Kontraklang“-Konzertreihe.

Die Facebook-Gruppe des 48 Stunden-Teams informierte die Öffentlichkeit seit Januar 2015 über das Kunstfestival. Durch Themenwochen stieg die Anzahl unserer Fans von rund 5.000 im Juni 2014 auf rund 9.000 bis zum Ende des Festivals 2015. Mehr auf  https://www.facebook.com/48.stunden.neukoelln/?fref=ts

Medienpartner

2015 gab es eine neue Medienpartnerschaft: Die WALL AG unterstützte unsere Veranstaltung durch die Ausstrahlung des Werbespots auf allen Hintergleisprojektionen und den digitalen Screens im U-Bahnhof Friedrichstraße sowie die Schaltung von Veranstaltungshinweisen auf 20 digitalen Billboards an wichtigen Hauptverkehrsstraßen Berlins.

(auch Medienpartner oder bezahlt?) Postkarten, verteilt durch DINAMIXX an ausgewählten Kultur-, Familie- und Szeneorten, bewarben das Kunstfestival. Zusammen mit der Plakatierung auf U-Bahnhöfen und an Bushaltestellen, den Anzeigenschaltungen bei Medienpartnern, Werbung an Festivalorten und in Geschäften in Neukölln machten die 48 Stunden Neukölln Berlinweit sichtbar.

Um die Festivalidee unter der Künstlerschaft zu verbreiten, unterstützte uns Artconnect. Neuköllner.net. Stundenaktuell wurde vom 26. bis 28. Juni 2015 über das Kunstfestival berichtet und Reaktionen von Besucher*innen per Twitter eingebunden. Unseren Medienpartnern Zitty und TAZ verdanken wir eine öffentliche Wahrnehmung über vermehrte Anzeigenschaltungen.

Eine besonders intensive Berichterstattung erfuhr das Festival durch eine sich über 48 Stunden erstreckende Radio-Sendung bei KiezFM. Das Team um Adrian Garcia Landa berichtete aus dem Festival und lud zahlreiche Künstler*innen und Organisator*innen zum Interview ins provisorische Studio im Beteiligungsbüro der [Aktion! Karl-Marx-Straße] in der Richardstraße 5. So waren die beiden Festivalleiter Thorsten Schlenger und Martin Steffens Studiogäste an den beiden Vormittagen; prominente Vetreter*innen der Neuköllner und Neuköllner Kunstszene kamen zu kulturpolitischen Diskussionen zusammen. Die Sendung wurde live auf der Frequenz 88,4 ausgestrahlt.

Pressesprecher: Denhart von Harling

Kooperationen, Sponsoren und Partner

Die 48 Stunden Neukölln sind durch gute Kooperation mit zahlreichen Gewerbetreibenden, Institutionen und Initiativen sowie Einzelpersonen vernetzt. In diesem Netzwerk spielen Künstler*innen und Raumgeber*innen eine große Rolle, da sie zumeist ohne gesonderte Finanzierung hervorragende Projekte für die Besucher*innen im Festival entwickeln – nicht ohne die Bewohner*innen Nord-Neuköllns aus dem Auge zu verlieren.

Für die Qualität der Zusammenarbeit können hier nur einige Beispiele gegeben werden, da es bei den insgesamt 400 Veranstaltungen zu vielfältigen Verzahnungen und Kontakten kommt.

Wichtig ist uns auch die Kooperation mit Künstler*innen-Gruppen und Institutionen, die uns ihr Vertrauen schenken und gemeinsam mit uns Projekte entwickeln. So fand 2015 zum zweiten Mal eine Klangkunstausstellung mit Studierenden der UdK/SoundStudies statt. Aus der universitären Arbeit entstand eine Ausstellung mit acht Klangkunstprojekten, unter dem Titel „Resonanz – Klang.Kunst.Gesellschaft“.

Sponsoren und Unterstützer

Die Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND war nicht nur Sponsor der 48 Stunden Neukölln sondern auch mit einem Beitrag in unserer zentralen Ausstellung „Signale“ in den Neuköln Arcaden präsent. Zum Thema erneuerbare Energien (und damit im Zusammenhang mit dem Beitrag „Wir machen das nur gegen Kohle“) konnten sich Besucher*innen per Morsezeichen verständigen. Das Fernheizwerk Neukölln als langjähriger Sponsor hat erneut dazu beigetragen, dass die Organisation gut laufen konnte. Auch das Neuköllner Standort des Recyclingunternehmens REMONDIS hat seine langjährige Kooperation fortgesetzt. In den Neukölln Arcaden konnte auf 1.500 m² die zentrale Ausstellung „Signale“ stattfinden. Hier fanden rund 30 Projekte einen idealen Ort der Präsentation, zumal sich im Einkaufszentrum eine spannende Mischung aus Kunstpublikum und der „normalen“ Einwohner*innen Neukölln zusammenfand und unerwartete Begegnungen ermöglichten. Im gleichen Gebäudekomplex war auch der Klunkerkranich mit der Bespielung der Parkdecks erneut Publikumsmagnet. Die Reederei Riedel stellte wieder ihre Spreeprinzessin für unser Musikprogramm zur Verfügung. Durch die Unterstützung des Musicboard Berlin konnten dort sechs Berliner Bands in 12 Konzerten auftreten.

Das Festival JUNGE KUNST NK wurde unterstützt vom Fachbereich Jugend des Bezirksamts Neukölln, der „BALLY WULFF Stiftung – zur Unterstützung Neuköllner Kinder“, STADT UND LAND, und dem Cineplex-Kino in den Neukölln Arcaden.

Wir bedanken und beim Bezirksamt Neukölln mit den Abteilungen Jugend, Soziales und Kultur für die Unterstützung. Ebenso freuen wir uns, dass die [Aktion! Karl-Marx-Straße] unser Festival für die Kunstfiliale Passage eine Finanzierung gewährt.

WEITERE FORMATE:

Junge Kunst NK

Das Junge Kunstfestival der 48 Stunden Neukölln hat sich im zweiten Jahr seines Bestehens erfreulich konsolidiert. Es stand unter dem maritimen, vom S.O.S. des „großen“ Festivals inspirierten, Motto „MEER SEHEN“. Damit wurde der Versuch unternommen, eine kindgerechte Themensetzung vorzunehmen, die im noch relativ frühen Stadium der Festivalentwicklung eine möglichst breite Beteiligung zulässt. Gleichwohl wurden auch eine Reihe von Projekten dem Weltrettungsthema gewidmet.

Die italienische Malerin und Grafikerin Valentina de Luca, die als Kinderbuchillustratorin in Berlin arbeitet und sich mit ihrer Ausstellung „Meereskreaturen“ im Büro vom Quartiersmanagement Ganghoferstraße am Festival beteiligte, stiftete ihr Bild Il mare sullo sfondo als Werbemittel für Junge Kunst NK: Ein Fisch in der Badewanne, der sich nach dem Meer sehnt. Dieses Bild haben wir den Kindern von Neukölln auf Werbeträgern geschenkt: auf einer Postkarte und auf der Rückseite unseres für Junge Kunst NK erstellten Programmheftes.

Die räumlichen Schwerpunkte der Kinder- und Jugendprojekte waren einmal mehr das Young Arts Neukölln und das „Hauser des itz“ mit einem breiten Spektrum an Veranstaltungsformaten. Insbesondere das Junge Kurzfilmprogramm im Cineplex-Kino der Neukölln Arcaden präsentierte eine breite und qualitativ gute Filmauswahl, für die Saskia Otis verantwortlich zeichnete. Nach einem Aufruf waren hier zahlreiche Bewerbungen von Neuköllner Jugendeinrichtungen und Schulen eingegangen, die dem meist jungen Publikum präsentiert wurden. Auch die vom Fachbereich Kultur initiierten Schulworkshops der [Aktion! Karl-Marx-Straße] wurden im Rahmen des jungen Kunstfestivals präsentiert (http://kultur-neukoelln.de/kulturelle-projekte-es-ist-eine-wand.php). Die fast fensterlose Kachelwand der ehemaligen Kindl-Brauerei wurde nach Entwürfen von Schüler*innen innerhalb des Festivals umgestaltet und während eines gemeinsamen Essens eingeweiht. Auch die von Isabella Mamatis organisierte Lange Tafel auf der Reuterstraße war in diesem Jahr wieder Teil von JUNGE KUNST NK. Insgesamt wurde ein vielgestaltiges Programm zum Erleben und Mitmachen angeboten, viele Workshops boten Raum, sich kreativ zu erproben. Darunter waren ebenso Streetart- wie Bastelaktionen.

Das Projekt Superheroes of Neukölln war ein Höhepunkt des Wochenendes: Unter der Leitung von Lucy Libre (Künstlerin) und Orlando Silver (Luchador) hatten Kinder und Jugendliche aus dem Umfeld des Donau-Kiezes Masken und Kostüme für ihre individuellen Superhelden entworfen. Sie sollten Eigenschaften und Superkräfte zeigen, um die Welt zu retten, so etwa der „Keine-Vorurteile-Mann, oder der „Repairman“. In einer spektakulären Wrestling-Show traten dann professionelle Wrestler gegeneinander an und transportierten neben dem artistischen schauwert auch die Botschaften der Neuköllner Kinder.

Groß war aber auch das Angebot, Theateraufführungen, Lesungen über Konzerte zu besuchen, die der Altersklasse angemessen präsentiert wurden. Die Führungen, die die Künstlerin Martina Becker für Familien angeboten hatte, wurden gut frequentiert; im Rahmen einer Rallye konnte Kunst spielerisch entdeckt und verstanden werden.

Projektteam JUNGE KUNST NK: Henriette Huppmann, Angelina Münch, Thorsten Schlenger, Brigitte Steiner, Dr. Martin Steffens, Anna Lena Wollny

Wichtige Orte im Festival JUNGE KUNST NK:

Aviatrix-Atelier, Café Fincan, Central Rixdorf, Deutsch-Arabisches Zentrum, elele-Nachbarschaftszentrum, Hans-Fallada-Schule, Hauser – Dramatische Republik, Heimathafen Neukölln, KinderKünsteZentrum, Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe, Manege, Outreach - Blueberry Inn, Regenbogenschule, Spielplatz Wilde Rübe, Young Arts Neukölln, Werkschule Löwenherz

Das Festival JUNGE KUNST NK wurde unterstützt vom Fachbereich Jugend des Bezirksamts Neukölln, Der Bally Wulff Stiftung zur Unterstützung Neuköllner Kinder, STADT UND LAND, und dem Cineplex-Kino in den Neukölln Arcaden.

Musikschiff

Der Pop-Klassiker Message in a Bottle von The Police gab den inhaltlichen Rahmen für Konzerte auf dem Neuköllner Schifffahrtskanal vor. Sechs Neuköllner bzw. Berliner Bands waren von Kuratorin Nathalie Rose ausgewählt worden, auf dem Ausflugsschiff Spreeprinzessin der Reederei Riedel mit jeweils zwei Auftritten zu gastieren. Dabei waren: „Anna Morley”, “Blendend”, “Lion Sphere”, “Ostalove”, “Sex in Paris, Texas”, “Toni Kater”.

In den zwölf Konzerten wurde jeweils Message in a Bottle auf höchst individuelle Art und Weise gecovert und „Botschaften“ der Bands zum Themenkomplex „Weltrettung“ verlesen.

Musikalisch deckten die Musiker*innen und Bands eine große Bandbreite unterschiedlicher Stilrichtungen ab, sodass nicht nur die Vielfalt Berliner Musikschaffens präsentiert wurde sondern auch für fast jeden Geschmack ein Konzertformat bereitgehalten wurde.

Mit freundlicher Unterstützung des Musicboards Berlin und der Reederei Riedel.

Führungen

Die Führungen haben etablierte Formate wie die Touren von Reinhold Steinle, dem Werkstadt Kulturverein (Körnerkiez) oder von Route 44 sowohl den Besucher*innen als auch den Bewohner*innen neue Aspekte der Neuköllner Realität ins Bewusstsein gebracht. Daneben entstanden aber auch für das Festival neu entwickelte Touren, die regional oder thematisch einen gezielten Besuch mehrerer Veranstaltungsorte ermöglichten. Darunter die Führungen von Ariane Handrock, Christian Mayrock und Gaby Hundertmark. Schließlich konnten auch einzelne Gebäude oder Ausstellungen unter kompetenter Anleitung besichtigt werden. In Begleitung von Insider*innen war wurden Teile des Festivals besucht und auf die Besonderheiten und persönliche Einsichten aufmerksam gemacht.