Neue Echtheit (Kurzversion)

Unsere Gegenwart steht vor einer Wertediskussion um das Echte. Das Vertrauen auf das Originale und Authentische erscheint in einer Gesellschaft, die aufgrund neuer sozialer Konventionen, Kommunikationsformen und ökonomischer wie ökologischer Verwerfungen im Wandel ist, fast als Anachronismus. Müssen wir das Echte in einer Zeit digitaler Omnipräsenz neu lernen? Besteht weiterhin die Erwartung, dass Kunst ehrlich bemüht ist, das Echte zu verkörpern? Das sind Kernfragen, die aus unserem Jahresthema resultieren.

Gerade in den Künsten scheint es häufig darum zu gehen, das eigene Schaffen möglichst „ursprünglich“ und „unmittelbar“ zu begründen. Oder sich doch zumindest als Original zu „verkaufen“. Denn der Kunstmarkt verlangt ausdrücklich nach dem immer wieder neu gedachten „Echten“, nach unmittelbaren Ausdrücken und im Zusammenklang von Biografie und Werk. Welche Strategien haben die Künste heute entwickelt, um sich dem Echten anzunähern? Welche Materialien, Verfahren und Zugänge können heute überhaupt noch für das Echte bürgen? Oder macht diese Wertediskussion nicht vielmehr eine Neuinterpretation notwendig?