Werdegang / Ausbildung: 
Berlin, Dezember 2016. In einem 2 x 2 Meter großen, mobilen und schallisolierten Aufnahmestudio, das als geschützter Ort der Begegnung diente, als freier Raum, um Gedanken, Meinungen und nicht zuletzt persönliche Geschichten zu teilen, sind Menschen miteinander ins Gespräch gekommen. Sie tauschten sich über ihre Erinnerungen an die Heimat Afghanistan und über ihre Erfahrungen im Exil, zumeist im Iran, aus – zu allem, was sie in ihrem Leben berührt, beschämt, verletzt und bewegt hat.

All diese Gespräche bilden die Afghan Memories, ein Archiv aus über 30 Stunden Video- und Audiomaterial, das einen vielschichtigen Blick auf das Leben in einer Region ermöglicht, das von niemandem besser beschrieben werden kann als von den Menschen, die dorther stammen selbst. Ein Sammelband präsentiert nun eine Auswahl dieser Gespräche, die wegen ihrer persönlichen Inhalte anonymisiert wurden.

Die Afghan Memories entstanden im Rahmen einer mehrjährigen Recherche: Seit 2016 arbeitet das Berliner Multimedienkollektiv NEWSGROUP AFGHANISTAN zum Thema der deutschen Asylpolitik aus der Perspektive der afghanischen Diaspora. So entstanden in freien Projekten, angeleitet von Berliner Künstler*innen und Sozialaktivist*innen, eine Serie von medialen Interventionen, in denen jeweils eine Kerngruppe von jungen Medienschaffenden im Alter von 16-25 Jahren sowohl primär durchführend als auch in zunehmendem Maße konzipierend und planend beteiligt waren.
Wichtige Projekte / Ausstellungen: 
WILLKOMMEN IN EXILISTAN – Afghanische und Berliner Jugendliche interviewen Politiker (CDU, Innenministerium), eine Asylanwältin, eine Sozialaktivistin und einen Bundeswehrsoldaten zum Thema deutsche Asylpolitik. (Multimedien-Installation, Sommer 2016)

AFGHAN MEMORIES – In einem mobilen Aufnahmestudio werden in persönlichen Gesprächen Geschichten von Afghan*innen aus ihrer Heimat und über das Leben im Exil gesammelt. (Zeitzeug*innen-Archiv, Winter 2016)

YALDA NACHT – Afghanische Jugendliche schlüpfen in die Rolle der deutschen Expert*innen, die sie für Willkommen in Exilistan interviewt hatten, und eignen sich so die Perspektive derjenigen an, die über ihr Schicksal entscheiden. Berliner Jugendliche verkörpern unterdessen die im Afghan Memories Studio gesammelten Erinnerungen auf der Bühne. (Dokumentar-Theater, 2017 – 2018)

#BLEIBISTAN – Textfragmente aus Anhörungsprotokollen und negativen Asylbescheiden werden visuell aufbereitet: In klassischen Studio-Fotografien, poetischen Collagen und Kalligrafien im Bannerformat werden die Absurditäten und Unmenschlichkeiten, sowie die oft haarsträubenden Fehler der Asyl-Bürokratie sichtbar. (Wanderausstellung, Sommer 2017)