Das Kunst- und Kulturfestival nahm ein Jubiläum zum Anlass der Themenwahl: Vor 275 Jahren, im Jahr 1737, fanden böhmische Glaubensflüchtlinge in Rixdorf eine neue Heimat. Das Böhmische Dorf entstand. Wir stellten uns die Frage, ob der als multikulturell wahrgenommene Bezirk Neukölln für neu Ankommende ein sicherer Hafen oder gar ein Paradies sei.

Der Spiegel-Artikel „Endstation Neukölln“ von 1997 hatte das Gegenteil behauptet und sprach von Verwahrlosung, Armut und steigender Kriminalitätsrate. Im Gegensatz zu dieser Außenwahrnehmung, die sich lange Zeit als negatives „Image“ des Kiezes hielt, gab es Bewohner*innen, die ihre Nachbarschaft als angenehmen Ort empfanden.

Das Thema Migration spielte eine große Rolle. Aufschlussreich war, das Leben im historischen Böhmischen Dorf parallel zu den Prozessen im kürzlich entstanden „Roma Dorf“ an der Harzer Straße zu betrachten. Sind die „Böhmen“ nach 275 Jahren fester Bestandteil des Selbstverständnisses von Neukölln, wohnten die Roma seit 2011 als Dorfverband in einer so genannten „Schrottimmobilie“ und wurden als Fremde und als Gefährdung wahrgenommen. Neben den offiziellen Veranstaltungen des Jubiläums im Böhmischen Dorf gab es verschiedene Projekte von und mit Roma. In der Highlight-Reihe „Endstation Neukölln“ wurden zwei Ausstellungen im ehemaligen Gefängnis Neukölln organisiert, das in den 1980er Jahren kurz als „Asylunterkunft“ zwischengenutzt worden war. Die Ausstellung „Lebenszellen“ umfasste fünf Installationen in den historischen Arrestzellen, die geflüchteten Menschen eine Stimme gaben. Die Ausstellung „Positioning Osmotic Impulses“ nutzte den größeren Teil des historischen Gefängnisses und begriff Migration als weitergefasstes Phänomen. Bei „Call Now“ konnten Besucher*innen in einem Call-Shop einen Anruf entgegennehmen: zu hören waren Togolesen, die authentische Geschichten von ihrer Abschiebung, Erinnerungen an Deutschland und ihre neue Lebenssituation in Togo schilderten. Neben den auf das Thema bezogenen Projekten überwog der freie Bereich allgemeiner künstlerischer Projekte.

 

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