Die Übersättigung westlicher Gesellschaften und auch des Kunstmarktes stand im Fokus der 48 Stunden Neukölln. Das Thema war ein Vorschlag des Künstlers Vince van Geffen und wurde von unserer Themenrunde ausgewählt. Viele der gezeigten Projekte verorteten sich im Spannungsfeld von Konsumterror und Askese.

Zur Eröffnung des Festivals, das zum 100. Geburtstag des Körnerparks in der Grünanlage zelebriert wurde, präsentierte die litauische Tanzkompagnie AURA die raumgreifende Inszenierung „Sotus“, die den Ort und die anwesenden Menschen in beeindruckender Art und Weise einband. Die „SATT-Zentrale“ als kuratierte Gruppenausstellung fand im Vollgutlager der ehem. KINDL-Brauerei statt. Neben vielen Positionen, die sich mit globalem Handel, Fragen der Lebensmittelindustrie und Verteilung von Reichtum beschäftigten, fand hier ebenfalls ein Austausch mit Künstler*innen des südkoreanischen Kim Whan Ki-Festivals statt.

„Gianni Maccaronis Casino“ zeigte im Heimathafen Neukölln eine performative Aktion, die im Grenzbereich zwischen Realität und Fiktion angesiedelt war und bei der die Besuchenden ihr maximales Vergnügen suchen konnten. Das „Börsenorchestrion“ setzte reale Börsendaten für eine Interaktion von Projektion und Klang ein. Im Nachvollzug spektakulärer Börsencrashs ließ sich das Zusammenspiel globaler Ökonomien nachvollziehen. Im Fotoprojekt „Mein Obst ist weiter gereist als ich“ wurden altmeisterliche Stillleben reenacted und ehemals exotische Speisen als mittlerweile billig verfügbare Konsumgüter vorgestellt. In der Installation „Spinning Jenny 2000“ ging es beispielhaft um die Zusammenhänge zwischen prekärer Arbeit in der Textilindustrie und einem unreflektierten Kaufverhalten. In vielen weiteren Projekten wurde der kulturelle Stellenwert des (gemeinsamen) Essens und weitergehende Bedingungen der Lebensmittelproduktion thematisiert.

Für viele Künstler*innen war es 2016 wichtig, Projekte zum Thema Flucht bzw. unter Beteiligung Geflüchteter zu organisieren und damit nicht nur ein deutliches politisches Zeichen zu setzen, sondern aktiv auf die Zivilgesellschaft einzuwirken. Der gesellschaftliche Diskurs ließ sich somit deutlich am Programm des Kunstfestivals ablesen.

Die Festivalausgabe 2016 in Zahlen:

409 Veranstaltungen, davon 257 Festivalbeiträge, 69 Offene Ateliers und Projekträume, 19 Führungen, 64 Events bei JUNGE KUNST NK, 261 Festivalorte, über 60.000 Besuchende