Jahresthema Futur III (Einführungstext)

2019 blicken die 48 Stunden Neukölln weit voraus in eine Zukunft, die zu diesem Zeitpunkt dann bereits Vergangenheit gewesen sein wird. Unser Jahresthema Futur III setzt eine Zeitachse. Es geht uns um das Paradox einer Zukunft, die retrospektiv vorausgesehen wird und auf die man vorwegnehmend zurückblickt. Damit wird zugleich etwas über die Hoffnungen, Erwartungen und Ansprüche des Jetzt ausgedrückt.

In der Gegenwart sind wir in komplexe Verhältnisse verstrickt und arbeiten uns an einem scheinbar alternativlosen Status quo ab. Entwicklungen und Veränderungen erkennen wir allein in der Rückschau: Beruhigend wirken die erfolgreich konstruierten Kausalketten des Fortschritts. Der Blick in die Zukunft ist dagegen geprägt von Prognosen, die von Bedrohung und Niedergang erzählen.

Um diese Lähmung mit künstlerischen Mitteln konstruktiv zu durchbrechen, schlagen wir einen visionären Bogen in neue Zeiten. Zu untersuchen gilt, „wie wir gelebt gehabt haben werden“. Oder „wer wir geworden gewesen sein werden“. Mithilfe der sperrigen, standardsprachlich nicht akzeptierten grammatikalischen Zeitform Futur III werden die 48 Stunden Neukölln zu einem Zukunftslabor. Wir setzen zu einer Spurensuche an, wünschen uns künstlerische Zukunftsfolgenabschätzungen oder kühne Erfindungen. Futur III ermöglicht es, eine spielerisch denkende Position einzunehmen, die über naive Wünsche und eindimensionale Prognosen hinausgeht. Das Potenzial eines Denkens und Arbeitens im Futur III ist, Kunst vom anderen Ende her zu denken. Uns erwartet ein Festival, das die Folgen zukünftiger künstlerischer und gesellschaftlicher Handlungen antizipiert und für alle erlebbar macht. Am Ende dieser Festivalausgabe werden wir wissen, welche Hindernisse zu überwinden gewesen worden sein werden.

Futur III geht auf eine Idee der Neuköllner Künstlerin Claudia Simon zurück und berücksichtigt viele Aspekte von eingesandten Vorschlägen.

Bewerbungsschluss für Festivalbeiträge ist der 03.02.2019