Jahresthema BOOM (Einführungstext)

Eine rot-gelbe, zackige Comic-Sprechblase: eine Explosion, ein kraftvoller Ausbruch und ein Zeichen abrupten Wandels. Offen in alle Richtungen – der große Knall, aber auch der große Durchbruch. Ein Bass, der die Musik antreibt, die formale Visualisierung mit Konfettikanone. Und natürlich auch das kritische Nachdenken über den wirtschaftlichen Aufschwung und die „Grenzen des Wachstums“ in Bezug auf ökonomische und ökologische Fragen. Das eruptive Zerstören und neu Entstehen sind die Erscheinungsformen des Booms.

Berlin ist „Boom-Town“, ein Hotspot der Kunstwelt. Und Neukölln ist seit Jahren zentraler Ort der experimentellen, künstlerischen Forschung und unkonventionellen Präsentation. Boom hat zuallererst einen positiven Klang. Er bezeichnet einen Aufschwung und das gesteigerte Interesse an etwas, das dadurch plötzlich sehr gefragt ist. Doch wer profitiert in Berlin eigentlich von der damit verbundenen Dynamik und für wen stellt der Boom eher eine Bedrohung dar?

Boom passt als Phänomen, das Aufmerksamkeit fokussiert, zu einem Festival, das an einem einzigen Wochenende seine Wirksamkeit entfaltet. 48 Stunden Neukölln bietet in der aktuellen Ausgabe Raum für Kunst, die nach ästhetischer und emotionaler Überwältigung der Betrachtenden strebt

oder aber auch bewusst aus der Reduktion und Konzentration ihre Kraft bezieht.

Das Jahresthema 2020 ergab sich wunderbar beiläufig aus der intensiv geführten Debatte um die ca. 60 Themenvorschläge, die in einem Open Call von Beteiligten und Freunden der 48hNK eingereicht wurden. Es ging bei den vielen unterschiedlichen Ideen um Inhalte, die etwa die neue Qualität des gesellschaftlichen Zusammenlebens thematisierten, sich konkret auf die weiterhin unsichere und bedrohliche politische und ökologische Weltlage bezogen oder die sich mit einer Wertediskussion befassten. Die insgesamt 15 an einer zweistufigen Diskussion beteiligten Jurymitglieder suchten in Abgrenzung zu den vorherigen Jahresthemen intensiv nach einer Formulierung, die dazu einlädt, sich künstlerisch mit unserer Gegenwart und der aktuellen Situation in Neukölln, Berlin und der Welt auseinanderzusetzen. Andreas Altenhof von der Neuköllner Oper hat dann den im Verlauf eigentlich absichtslos geäußerten Begriff „BOOM“ als Themenvorschlag aufgegriffen. Das Thementeam konnte sich nach eingehender Analyse freudig auf diesen Begriff einigen, der Leichtigkeit und Spielfreude suggeriert. Auf den zweiten Blick hat das Festivalthema BOOM aber durchaus auch das Potenzial, kritisch und tiefgründig interpretiert zu werden.

Bewerbungsschluss für Festivalbeiträge ist der 03.02.2020