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  • Fotografie

Über der Schwelle. Höhe, Grenze und das Dazwischen

Sebastian Meier

Barrierefreier Zugang
Fr., 03.07. 19:00 - 23:00 Uhr Sa., 04.07. 14:00 - 23:00 Uhr So., 05.07. 14:00 - 19:00 Uhr
Über der Schwelle verhandelt Höhe als Grenzzustand: als Raum, in dem Ordnung instabil wird und das Verhältnis von Körper, Landschaft und Bedeutung neu ausgehandelt werden muss. Ausgangspunkt der Arbeit ist das Konzept der Liminalität nach Victor Turner, das Übergänge nicht als lineare Bewegung, sondern als Schwebezustand beschreibt – als Phase des Dazwischen, in der Gewissheiten außer Kraft gesetzt sind und Transformation möglich wird.
Höhenbergsteigen erscheint hier als liminale Praxis. Mit dem Verlassen des Tals werden soziale Normen, vertraute Körperlichkeit und stabile Orientierung zurückgelassen. Der Aufstieg führt in einen Schwellenraum, in dem andere Gesetze gelten: Sauerstoffmangel, Kälte und Exposition verändern Wahrnehmung und Selbstverhältnis, Entscheidungen verdichten sich, Kontrolle wird prekär. Die Höhe ist kein Ziel, sondern ein Zustand – weder Ankunft noch Auflösung, sondern ein temporäres Verweilen in erhöhter Fragilität.
Diese Erfahrung ist untrennbar mit dem Gebirge als Grenzraum verbunden. Die fotografierten Berge – der Pik Lenin zwischen Kirgisistan und Tadschikistan sowie die Vulkane Parinacota und Acotango an der Grenze zwischen Bolivien und Chile – markieren politische, geografische und existenzielle Trennlinien. Berge wirken restriktiv und abweisend, schreiben Grenzen in den Körper ein und regulieren Bewegung. Gleichzeitig fungieren sie als Projektionsflächen von Sehnsucht: ihr Widerstand erzeugt das Begehren nach Überschreitung. Das Gebirge wird so zum paradoxen Ort, der Trennung und Verbindung neu konfiguriert.
Aus dieser Grenzlage heraus destabilisieren die Fotografien die Beziehung von Innen und Außen. Der extreme Außenraum der Hochgebirge dringt in den Körper ein, während innere Zustände – Konzentration, Angst, Erschöpfung – sichtbar nach außen treten. Auf- und Abstieg, Hochlager, Gletscher und Spalten erscheinen nicht als heroische Motive, sondern als liminale Bildräume, in denen Orientierung, Identität und Maßstab instabil werden.

Kurz-Bio

Sebastian Meier

Sebastians fotografische Praxis formiert sich entlang von Routen, Aufstiegen und Übergangszonen. Auf Expeditionen in den Anden und im Pamir richtet sich sein Blick auf das Höhenbergsteigen als körperliche wie topografische Grenzerfahrung. Geboren 1987 in Berlin, erhielt er an der Kurt-Schwitters-Oberschule eine frühe künstlerische Prägung, bevor er urbane Geographien und Ethnographie studierte. Aus dieser Verschränkung von ästhetischer Sensibilität und raumbezogener Forschung entwickelt sich eine Arbeit, die Landschaft als kulturelles Gefüge liest. Diese Perspektive vermittelte er von 2019 bis 2021 als Tutor des Projekttutoriums Kunst und Geographie. 2025 war er an der Ausstellung Café Interimperial im Objektlabor des Zentrums für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt.

Ort

Treptower Straße 39
12059 Berlin
Deutschland

Berliner Berg Brauerei

Kontakt

017622304216

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