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Embers of Disappearance

Luis Kürschner

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Fr., 03.07. 19:00 - Sa., 04.07. 00:00 Sa., 04.07. 12:00 - So., 05.07. 00:00 So., 05.07. 12:00 - 19:00 Uhr
Glühwürmchen tragen eine winzige, kontinuierliche Verbrennung auf ihrem Körper. Sie entzünden ihr eigenes Fleisch, um sich morsezeichenähnliche Signale zu senden – um einander in der Dunkelheit der Nacht zu finden und sich zu paaren. Ihre Sprache ist körperlich. Eine Sprache der Liebe und des Begehrens.
Für den Bruchteil eines Augenblicks zeigen sich diese Wesen, nur um gleich wieder in den Schatten zu verschwinden. Erscheinen, verschwinden, wieder auftauchen, vergehen. In ihrer verweilenden Lumineszenz – blass, schwach, oft grünlich – ähneln sie Geistern: flüchtigen Lichtern oder wandernden Seelen.
Der Tanz der Glühwürmchen erinnert an queeres Cruising: Körper, die sich durch nächtliche Landschaften bewegen, oft in Stille, geleitet von Blicken, Gesten und flüchtigen Momenten des Erkennens. Begehren bewegt sich im Dunkeln. Intimität ohne feste Identität. Sowohl das Glühwürmchen als auch die cruisende Gestalt werden zu leuchtenden Wesen – nur kurz sichtbar, bevor sie wieder im Schatten verschwinden.
Doch diese Momente verschwinden. Lichtverschmutzung löscht die Dunkelheit aus, die Glühwürmchen zur Kommunikation brauchen. Gleichzeitig reduziert das Leuchten der Smartphones das Geheimnis des Cruisings auf Profile und gefilterte Bilder. Wissenschaftler*innen sagen, dass wir vielleicht die letzte Generation sind, die Glühwürmchen die Nacht erleuchten sieht.
Doch Glühwürmchen sind auch Überlebende. Insekten haben zahllose planetare Katastrophen überdauert. Nachdem die Atombombe auf Hiroshima fiel, gehörten Glühwürmchen zu den ersten Lebewesen, die zwischen den Ruinen gesehen wurden. In ihrem zarten Licht liegen Trauer und Widerstand.
Die keramische Glühwürmchen trauern um das, was verloren geht – Ökologien, Intimitäten, Lebensweisen – und leisten zugleich Widerstand. In ihrem fragilen Leuchten liegt eine Form des Beharrens: ein Signal, das weiterhin gesendet wird.
Kuratiert von Alexandra Philippovskaya.

Kurz-Bio

Luis Kürschner

Luis Kürschner (*1995, Deutschland) arbeitet mit Skulpturen, Animationen, Performances und Klang, um Intimität und Begehren in einer Zeit zu erforschen, die von ökologischem, gesellschaftlichem und emotionalem Zusammenbruch geprägt ist. Er verbindet Science-Fiction mit Fantasien über queere Evolution und Biodiversität und greift dabei auf persönliche Erinnerungen und spekulative Zukunftsvisionen zurück.

Luis studierte Bildende Kunst, Film und Kunstgeschichte in Berlin, Braunschweig, Hamburg und Seoul. Er stellte unter anderem in der Kunsthal Aarhus, im Kunstverein Braunschweig, im Goethe-Institut Irland, in der Kestner Gesellschaft in Hannover und bei Spoiler Berlin aus.

Ort

Karl-Marx-Straße 95
12043 Berlin
Deutschland

CANK

Kontakt

+49 30 549 823 28

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