- Bildende Kunst
Gespräche
Julien Paccard
Fr., 03.07. 19:00 - So., 05.07. 19:00
„Gespräche“ ist eine fortlaufende Serie von Blaudrucken, in der Julien Paccard Abdrücke von Glasscheiben anfertigt. Für diese Ausstellung präsentiert er jene, die von den Glasscheiben typischer Berliner Telefonzellen stammen. In den 1990er-Jahren waren diese noch weit verbreitete Orte zum Telefonieren und boten einen Schutz vor Wind und Stadtlärm. Heute sind öffentliche Telefone oft defekt und selbst wenn sie funktionieren, kaum noch genutzt. Nach und nach abgebaut, nehmen die wenigen verbliebenen einen ambivalenten Platz im Stadtbild ein.
Mittlerweile sind die seitlichen Scheiben der Telefonzellen zu Ausdrucksflächen geworden. Fußgänger nutzen sie, um darauf Werbung, Aufkleber und Botschaften anzubringen. Eine scheinbar banale Struktur verwandelt sich so in ein offenes Feld der Möglichkeiten – ein gemeinsames visuelles und sprachliches Ökosystem, geprägt von anonymen Nutzern. Dieser Wandel in Nutzung und Wahrnehmung spiegelt subtile Transformationen im urbanen Leben wider.
Die Blaudrucke fangen diese Oberflächen als Momentaufnahmen indirekter urbaner Interaktionen – Spuren eines fortwährenden Austauschs. Ihre dichten Kompositionen aus überlappenden Texten und Zeichen erinnern an die Notizbücher von Antonin Artaud, der während seiner Elektrokrampftherapie Seiten mit Zeichnungen, Wortfragmenten und Kratzern füllte. In beiden Fällen unterstreichen die einander überlagernden Inschriften die Gewalt.
Der Blaudruck, den Architekten von etwa 1870-1940 als kostengünstige Methode zur Reproduktion von Zeichnungen nutzten, ist mit dem Aufkommen des Kopierens und digitalen Designs weitgehend verschwunden. Indem die Serie diese veraltete Technik reaktiviert, verwandelt sie ein Werkzeug der Reproduktion in ein Mittel zur Aufzeichnung der informellen Spuren des urbanen Alltags.
„Gespräche“ reflektiert letztlich die Stadt als Raum des Zusammenlebens und der Aushandlung, in dem überlappende Spuren kollektiven Ausdruck und den fortwährenden Kampf um Raum und Sichtbarkeit offenbaren.
Mittlerweile sind die seitlichen Scheiben der Telefonzellen zu Ausdrucksflächen geworden. Fußgänger nutzen sie, um darauf Werbung, Aufkleber und Botschaften anzubringen. Eine scheinbar banale Struktur verwandelt sich so in ein offenes Feld der Möglichkeiten – ein gemeinsames visuelles und sprachliches Ökosystem, geprägt von anonymen Nutzern. Dieser Wandel in Nutzung und Wahrnehmung spiegelt subtile Transformationen im urbanen Leben wider.
Die Blaudrucke fangen diese Oberflächen als Momentaufnahmen indirekter urbaner Interaktionen – Spuren eines fortwährenden Austauschs. Ihre dichten Kompositionen aus überlappenden Texten und Zeichen erinnern an die Notizbücher von Antonin Artaud, der während seiner Elektrokrampftherapie Seiten mit Zeichnungen, Wortfragmenten und Kratzern füllte. In beiden Fällen unterstreichen die einander überlagernden Inschriften die Gewalt.
Der Blaudruck, den Architekten von etwa 1870-1940 als kostengünstige Methode zur Reproduktion von Zeichnungen nutzten, ist mit dem Aufkommen des Kopierens und digitalen Designs weitgehend verschwunden. Indem die Serie diese veraltete Technik reaktiviert, verwandelt sie ein Werkzeug der Reproduktion in ein Mittel zur Aufzeichnung der informellen Spuren des urbanen Alltags.
„Gespräche“ reflektiert letztlich die Stadt als Raum des Zusammenlebens und der Aushandlung, in dem überlappende Spuren kollektiven Ausdruck und den fortwährenden Kampf um Raum und Sichtbarkeit offenbaren.
Kurz-Bio
Julien Paccard
Geboren am 4. Juli 1988 in St-Julien-en-Genevois (Frankreich).
Julien Paccard ist Autodidakt und schloss 2010 sein Bachelorstudium der Kommunikationswissenschaften in Annecy (Frankreich) ab.
Sein Atelier befindet sich heute in Berlin-Wedding, wo er Gruppeninteraktionen und deren Strukturierung durch spezifische Ausdrucksformen erforscht. Seine Arbeiten thematisieren universelle Fragen des sozialen und kollektiven Verhaltens und legen Intentionen im Kontext des jeweiligen zeitlichen und geografischen Gegebenheitens offen. Welche Konsequenzen und Verantwortlichkeiten ergeben sich aus dem Zusammenleben? Welche Auswirkungen hat das eigene Handeln? Wie lässt sich dies interpretieren?
Julien Paccard ist Autodidakt und schloss 2010 sein Bachelorstudium der Kommunikationswissenschaften in Annecy (Frankreich) ab.
Sein Atelier befindet sich heute in Berlin-Wedding, wo er Gruppeninteraktionen und deren Strukturierung durch spezifische Ausdrucksformen erforscht. Seine Arbeiten thematisieren universelle Fragen des sozialen und kollektiven Verhaltens und legen Intentionen im Kontext des jeweiligen zeitlichen und geografischen Gegebenheitens offen. Welche Konsequenzen und Verantwortlichkeiten ergeben sich aus dem Zusammenleben? Welche Auswirkungen hat das eigene Handeln? Wie lässt sich dies interpretieren?